Türchen Nr. 19

„Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist.“

Hallo mein kleiner Mann, heute vor 10 Monaten blieb die Welt einen Moment stehen. Und als sie sich weiter drehte war nichts mehr wie es war ….. Ja, es war bei Dir ein Abschied auf Raten und trotzdem trifft einen diese Endgültigkeit mit einer Wucht, die einem die Luft zum Atmen nimmt. Eine Zeit lang habe ich mich gefühlt, als hätte man mir mein Herz rausgerissen.

Bereits im Alter von 3 Jahren hat man bei Dir schwerste Arthrose festgestellt. Wir hängten unsere gerade so richtig begonnene Dummy-„Karriere“ an den Nagel und haben nur noch just for fun immer mal wieder Jagd auf die grünen Säckchen gemacht. Ende Dezember 2014 / Anfang Januar 2015 gab es wieder einen Arthrose-Schub und trotz Schmerztabletten wurde es nicht besser. Der Besuch beim Tierarzt nahm uns jegliche Hoffnung … Es hieß, dass Du leider austherapiert wärst. Wir können Dir lediglich die Schmerzen nehmen, mehr ist nicht möglich. Unendlich traurig sind wir wieder nach Hause gefahren. Du warst doch gerade 5 Jahre …. Wir wollten es genau wissen und holten eine zweite Meinung ein. Der Chirurg stellte dann einen Bruch im Ellenbogen fest. Eine Operation ist möglich, durch die extreme Arthrose sollten wir uns aber keine zu große Hoffnungen machen. Es könnte sein, dass Dein Ellenbogengelenk versteift. Wir klammerten uns an diesen Strohhalm und es war in der Tat wie ein Wunder – Du hast wie so oft in Deinem Leben – gekämpft wie ein Löwe und konntest nach der OP wieder super laufen. Über ein Jahr lang war alles perfekt – bis zu diesem Unfall mit Mausi Anfang März 2016 … Du hast so extrem gehumpelt, dass einem schon vom Zusehen alles weh tat. Wir fuhren wieder zum Chirurgen und das Röntgen ergab, dass nichts gebrochen war. Er vermutete durch den Aufprall einen Arthrose-Schub, der nach einigen Wochen wieder vorbei sein sollte. Dir wurden andere Tabletten verabreicht und wir fuhren frohen Mutes wieder nach Hause. Von den Tabletten hast Du einige Tage später eine Magenschleimhautentzündung bekommen. Du warst vom Erbrechen und den Bauchkrämpfen so schwach, dass Du Dich kaum noch auf Deinen wackligen Beinchen halten konntest. Du hast auch niemanden an Dich ran gelassen sondern versucht, Dich vom Rudel fernzuhalten. Aber wenigstens bist Du mir nicht ausgewichen. Auf dem Weg zum Tierarzt habe ich zum ersten Mal richtig Angst um Dich gehabt und geglaubt, man könne Dir nicht mehr helfen. Aber man konnte. Es gab eine krampflösende Spritze und schon einen Tag später hast Du am Rudelleben wieder teilgenommen. Nur das Laufen wurde leider nicht besser. Durch die Schonhaltung wurde so nach und nach die gesamte Wirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen und eines morgens bist Du hinten einfach weggeknickt. Doch auch diesmal hast Du Dich nicht unterkriegen lassen. Genauso schnell, wie Du weggeknickt warst warst Du auch wieder auf den Beinen und hast vor Deinem Futternapf nichts besseres zu tun als Deine gewohnten Luftsprünge zu machen. Ich gebe zu, meinen Nerven lagen vor Sorge um Dich so manches Mal blank ….. Im Juli 2016 habe ich dann angefangen, Dir Collagil Dog zu verabreichen. Es hat insofern geholfen, dass Du wieder stabiler gelaufen bist und man nicht bei jedem Pinkeln Angst haben musste, dass Du wegknickst. Anfang August kam dann der nächste Nackenschlag – Du warst vom Hals an gelähmt und konntest nur noch Deinen Kopf und die Rute bewegen. Aber Deine Augen leuchteten und verfolgten mich und Du hast auch auf unsere Worte mit schwanzwedeln reagiert. Morgens um 4 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Potsdam in die Tierklinik – als wir dort ankamen war der Spuk vorbei und Du konntest Dich wieder bewegen. Von Infarkt, Schlaganfall, Epilepsie-Anfall oder Bandscheibenvorfall war die Rede, wobei wir relativ sicher waren, dass es ein eingeklemmter Nerv war. Zwei Tage später stellten wir Dich nochmal bei unserer Tierärztin vor, aber es war alles wieder gut und insofern konnten wir nicht viel tun. Wir besprachen das weitere Vorgehen und es hieß, dass wir noch lange nicht am Ende wären ……. nach Metacam hätte man noch andere Mittel, die Dir weiterhin eine schmerzfreie Teilnahme am Rudelleben gewährleisten könnten. Und Du wolltest. Wir hatten einen tollen Sommer, einen wundervollen Herbsturlaub und durften Weihnachten und Silvester gemeinsam verbringen. Sogar Schnee gab es nochmal. Nur das Laufen fiel Dir immer schwerer ………. Nach wenigen Schritten hast Du angefangen zu hecheln, manchmal brauchtest Du eine Pause und mir war klar, dass die Zeit gegen uns arbeitet. Als ich am 16. Februar mit Kys zum Impfen war haben wir auch gleich nochmal über Dich gesprochen. Es hieß ja immer, dass ein Hund zeigt, wenn es nicht mehr geht. Er entfernt sich vom Rudel, verweigert die Nahrung, verhält sich anders als sonst. Doch Du wolltest leben, wolltest immer und überall dabei sein – nur laufen ging nicht mehr. Unsere Tierärztin erklärte mir dann, dass es leider solche Kämpfer gibt – solche, wie Du es warst, die keine Schmerzen zeigen und einfach immer weiter machen wollen im Programm. Dann sind es die Menschen, die die Entscheidung für den Hund treffen müssen, so schlimm das auch ist. Hunde sind Lauftiere und sie legte mir ans Herz, nicht so lange zu warten, bis Du gar nicht mehr hoch kommst …. An jenem Abend wurde mir die Endlichkeit so richtig bewusst. Ich habe mich zu Dir gelegt und Deine Pfote gehalten und Dir wie so oft im letzten halben Jahr versprochen, dass ich Dich gehen lasse wenn Du mir zeigst, dass es an der Zeit ist. Leider kam der Moment schneller als mir lieb war ….. 3 Tage später konntest Du nur durch Herrchen´s Hilfe aufstehen und warst dann auch bis zum Eintreffen der Tierärztin gerade 1x mit mir draußen und Deine kurze letzte Runde machte den Eindruck für mich als würdest Du Dich verabschieden wollen. Du hast an jenem Sonntag fleißig unsere Tränen getrocknet und mit Kys nochmal ein ausgiebiges Pläuschchen in gewohnter Manier gehalten. Als die Tierärztin kam bist Du ihr freudig entgegen gelaufen und dann hast Du Dich ganz bereitwillig auf Deine Decke gelegt, um Dich in Begleitung von uns auf Deine letzte Reise zu begeben …….

Mein kleiner Mann, die Zeit danach war für mich Horror. Plötzlich konnte ich die Menschen verstehen, die sich keinen weiteren Hund mehr holen, weil sie beim Abschied so gelitten hatten. Es fiel mir schwer, mit Herrn Jack, Mausi und Kys zu kuscheln. Immer wieder hörte ich Deinen schlurrenden Gang im Haus und im Garten. Manchmal hatte ich Alpträume und die Dunkelheit machte mir enorm zu schaffen. Hin und wieder war ich wütend und ich habe mich gefragt, warum sich diese Welt einfach weiterdreht ohne Dich …… Ja, es fließen manchmal noch Tränen. Mittlerweile ist diese Trauer und Wut aber einer unendlichen Dankbarkeit gewichen. Wir hatten eine tolle Zeit und niemand kann mir die Erinnerungen nehmen. Dass Du jetzt wieder schmerzfrei über die grünen Wiesen toben kannst ist auch ein Trost für mich. Und irgendwann sehen wir uns wieder, da bin ich mir ganz sicher.

Türchen Nr. 18

Am 18. Juni waren Grace und Chilli von den Black Devils bei uns im Labbi-Power-Land. Wir hatten einen tollen Tag und auch Grace hat diesmal bis zum Schluss durchgehalten. Nur Mausi war ein wenig genervt vom Chillman. Der kleine Mann war sooooo verliebt in Mausi und sie wollte mit dem Jungspund absolut gar nichts zu tun haben. Mehrmals ließ sie sogar ihre kleinen Zähnchen blitzen. Sie glaubte, im Pool wäre sie sicher. Chilli hat vom Rand aus wirklich alles versucht, Mausi umzustimmen. Aber sie war not amused und er traute sich nicht so richtig rein ins Wasser.

Dann hat Chillman Freundschaft geschlossen mit Kys … bzw. mit seinem Hintern. Als der Kollege unter dem Tisch ein Schläfchen machte legte sich Chilli einfach dazu – mit dem Kopf an Kys´ Allerwertesten. Mehrmals hat der Kollege nachgeguckt, wer an seinem Hintern schnuppert. Wir haben so gelacht.

Ein paar Wochen später kamen Grace und Chilli mit ihren Menschen nochmal auf ein kurzes Pläuschchen vorbei. Mausi´s Reaktion war einzigartig. Inzwischen war der Chillman ja schon genauso groß wie die kleine Prinzessin, aber ihr entgleisten leicht die Gesichtszüge als sie erkannte, wer da wieder auf der Matte stand. Trotzdem gab es nicht ein einziges Mal Reibereien. Alles lief friedlich ab und war einfach nur schön. Ich bin sehr gespannt, wie es im nächsten Jahr sein wird. Ob Mausi den Chillman dann doch noch in ihr Herz schließt?